Gute Freifallfotos entstehen bereits am Boden. Nicht nur die korrekte Einstellung der Kamera und die Funktionstüchtigkeit der gesamten Ausrüstung ist wichtig. Man sollte sich vor dem Sprung bewusst machen, was man überhaupt fotografieren will und den Sprung dann entsprechend planen. Hier stellen sich einige Fragen:
Was ist das Objekt und wie verhält es sich?
Eine Formation ist ein großes Objekt, welches eine relativ konstante Fallgeschwindigkeit hat, die allerdings unter der Geschwindigkeit des einzelnen Kameramannes liegt. Hier sind Weitwinkelobjektiv bzw. "Fischauge" und Kamerakombi unabdingbar. Ein Briefing des Sprunges ist für den Kameramann nicht unbedingt nötig, da auf die Bewegungswechsel einer Formation relativ einfach und schnell reagiert werden kann, es ist aber auf keinen Fall von Nachteil, denn es dient der Sicherheit, weil hier u. a. die Exitreihenfolge und die Separations- und Öffnungshöhe festgelegt wird.
Ein Einzelspringer hingegen ist ein kleines Objekt, dessen Fallrate je nach Sprungvorhaben stark variieren kann. Werden Einzelspringer oder auch Gruppen fotografiert, die bestimmte Bewegungsabläufe durchlaufen, die mit größeren Fallratenänderungen verbunden sind, sollte der Sprung zuvor gebrieft werden, denn der Kameramann muss zeitgleich auf diese Unterschiede reagieren. Im besten Fall fliegt er das gleiche Programm. Hier fällt auch die Entscheidung der Kleidungswahl nicht leicht. Bei einem Einzelspringer oder einer kleinen Gruppe ist es von Vorteil, die gleiche Kleidung zu tragen, bei größeren Gruppen ist evt. die Kamerakombi mit ihren Flügeln vorzuziehen.
Beim Fotografieren eines Tandems gilt eigentlich das Gleiche wie für die Formation. Die Fallrate ist konstant, allerdings höher als bei Formationen.
Wo steht die Sonne?
Es ist ja wohl jedem bekannt, dass man nicht gegen die Sonne fotografieren darf, da das Objekt sonst stark unterbelichtet wird. Am Boden kann man schnell schauen, wo die Sonne steht um in die richtige Richtung zu fotografieren. In der Luft geht das zwar auch, doch hat man meistens noch zusätzlich eine Videokamera auf dem Helm und möchte deshalb nicht den Kopf vom Motiv wegdrehen, um nach der Sonne zu schauen. Man kann vor dem Sprung vereinbaren, das sich der Tandemmaster oder der Einzelspringer zur Sonne hindreht. So ist gewährleistet, dass man die Sonne im Rücken hat. Das funktioniert bei einer Formation aber schon nicht mehr. Es ist also besser, sich vor dem Exit zu orientieren. Entweder schaut man im Flugzeug nach dem Sonnenstand, oder man überlegt sich schon am Boden die Anflugrichtung des Absetzflugzeuges und orientiert sich auf diese Weise.
Welche Entfernung muss man zum Objekt einhalten?
Die maximale bzw. minimale Entfernung zum Objekt ist abhängig von der Optik der Kamera (der Weitwinkeleinstellung des Objektivs) und von der Größe des Objekts. Hier helfen nur Erfahrungswerte weiter. Ich persönlich verwende immer das gleiche Objektiv mit der gleichen Einstellung und merke mir den Abstand, bzw. achte darauf, dass ich alles im äußersten Ring meines Ringsights behalte.
Als Ringsight bezeichnet man einen am Helm befestigten Hilfssucher, den es in verschiedenen Ausführungen gibt. Jede Ausführung zeigt die Mitte des Bildausschnittes der Kamera und ersetzt somit den fehlenden Kamerasucher. Zuvor muss der Hilfssucher natürlich exakt auf die Bildmitte der Kamera ausgerichtet werden. Es gibt sie mit Fadenkreuz, konzentrischen Ringen oder mit beidem. Die Ringe sind nicht einfach nur auf das Sucherglas aufgedruckt, sie entstehen durch das Einziehen von Polarisationsfolien zwischen drei Spezialglasscheiben. Die Besonderheit hierbei liegt darin, dass es keine Rolle spielt, ob man schräg oder gerade durch den Sucher schaut, da die Ringe bzw. Kreuze je nach Blickwinkel mitwandern und so immer die Bildmitte markieren. Durch diese Parallaxefreiheit kann sich der Helm ruhig etwas auf dem Kopf hin- und herbewegen. Das Ringsight zeigt trotzdem immer den Bildmittelpunkt an. Ursprünglich wurde das Ringsight während des 2. Weltkrieges von der US-Army entwickelt und als Visier für die mobile Luftabwehr eingesetzt.
Was ist bei Fotos am offenen Schirm zu beachten?
Nach einem erfolgreichen Sprung mit schönen Motiven ist die Euphorie und der Adrenalinpegel recht hoch. Dann vergisst man oft, dass die Kamera nicht die gleiche Perspektive hat, wie man selbst. Fotos von anderen Schirmen sollte man nur machen, wenn sie sehr nah sind, da die Kamera noch sehr weitwinklig eingestellt ist. Das sollte aber zuvor abgesprochen sein, denn es birgt große Gefahren, in der Nähe anderer Schirme zu operieren. Man darf auf keinen Fall die Sicherheit vergessen! Also, immer erst die eigene Kappe überprüfen, nach anderen Schirmen Ausschau halten und sich orientieren. Übersicht behalten!!! Wenn Schirmaufnahmen geplant sind, dann sollte man auf die Sicherung des Zoomringes verzichten, um nach dem Freifall die Kamera verstellen zu können.
Schirmaufnahmen empfehle ich nur in größerer Höhe und nach Absprache mit einem oder mehreren Kollegen zu machen, um sich selbst und andere dabei nicht zu gefährden.
In der normalen Öffnungshöhe und darunter ist die Vorbereitung zur sicheren Landung angesagt! Nichts weiter!! Kappenkollisionen haben schwere Verletzungen und oft den Tod zur Folge!
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